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Cannstatter Carré, Bad Cannstatt

Von der Brache zum Erfolgsobjekt

Die konzeptionelle Verknüpfung von Stadtplanung, nut­zungsorientierter Architektur und professioneller Vermark­tung ließ im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt ein multi­funktionales Zentrum entstehen, das das gesamte Umfeld aufwertet. Identität und bauliche Attraktivität wird dem Ensemble nicht zuletzt durch eine vielfältige, transparente Fassaden- und Innenraumgestaltung verliehen, die die Möglichkeiten moderner Systemtechnik intelligent ausschöpft.

 

Grundidee des Projektes war die Stärkung des Handelsstand­ortes Bad Cannstatt durch die Anordnung eines Handelsmag­neten am Ende einer bis dato schwachen Einkaufslage, die geprägt war von dem Blick auf eine 23.000 qm große Industrie­brache. Die städtebauliche Aufgabe bestand darin, verschüttete Wegebeziehungen zwischen dem Bahnhofsareal und der Fuß­gängerzone von Bad Cannstatt wieder herzustellen und damit die Möglichkeit zu schaffen, eine große Baumasse in die Stadt­struktur zu integrieren.

 

Arbeit, Einkauf, Freizeit

Das von der SEPA Projekt- und Entwicklungsgesellschaft kon­zipierte und von der hausinternen EPA Planungsgruppe umge­setzte Konzept basiert inhaltlich auf einer Kombination aus Arbeiten, Einkaufs- und Freizeiterlebnis. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Einkaufsangebot: Ca. 22.000 qm Einzelhandels­flächen stehen 13.000 qm Bürofläche und 2.000 qm für Fitness und Wellness gegenüber. Entsprechend lag auch der gestal­terische Fokus auf der nachhaltigen Attraktivität der ange­botenen Handelsflächen und der breiten Auswahl an Mietern. Mit einem vollständigem Angebot an Waren in einem Ambiente, das zum Verweilen einlädt, sollte ein Stück moderne und auch großstädtische Welt geschaffen werden, die einen positiven Entwicklungsimpuls auf das gesamte städtische Umfeld ausübt. Im Bereich der Handelsflächen kann bereits ein Jahr nach Fertigstellung des Objektes von einer erfolgreichen Annahme durch renommierte Mieter berichtet werden. Das Shopping-Angebot erstreckt sich über die volle Bandbreite des täglichen und periodischen Bedarfs – vom Lebensmittelmarkt über mehrere Bekleidungsgeschäfte bis hin zu einem Sportfach­markt und dem breit sortierten Kaufhaus Müller. Abgerundet wird das Spektrum durch ein gastronomisches Angebot, das Besucher wie Passanten zum Verweilen in den z. T. platzartig angelegten und von oben belichteten Innenzonen verleitet.

 

Transparenz und konstruktive Variation

Ein hohes Maß an natürlicher Belichtung über Fassaden, Licht­dächer und großzügige Schaufensteranlagen kennzeichnet die Atmosphäre sämtlicher Nutzungsbereiche des Objektes. Bei der bautechnischen Umsetzung ihrer transparenten Ideen ließen sich die Architekten von Vielfalt und Variationsmöglich­keiten moderner Fassadensysteme leiten, die auf gesicherten technischen und bauphysikalischen Grundlagen zahlreiche Individualisierungen erlauben.

 

Nicht zuletzt ist es der Vielfalt in den Formen und Ansichten der einzelnen Module des Komplexes zuzuschreiben, dass sich das Cannstatter Carré trotz seiner Größe den einladenden Charakter stilistisch miteinander verbundener, städtisch geglie­derter Funktionselemente bewahrt. Zugleich wurde eine deut­liche Profilierung der einzelnen Objektmodule vorgenommen: Die gerundete, vollständig verglaste Pfosten/Riegelfassade (mit nur 50 mm Profilansichsbreiten) des prominenten Bürogebäu­des verleiht diesem Modul seine unverwechselbare Identität als effektvolles „Eingangstor“ zur Mall. Unmittelbar angrenzend an das Bürogebäude variieren weitere Carré-Elemente – ebenfalls auf asymmetrischen Grundrissen – das Thema „Transparenz in der Fassade“, sei es durch raumhohe Fensterelemente in Natursteinfassaden oder filigran profilierte Elementfassaden eingebettet in ein Wärmedämm-Verbundsystem.

 

Akzente in Fassade und Dach

Wo sich die Fassaden dem Licht öffnen, werden im Cannstatter Carré gestalterische Akzente durch konstruktive Variation gesetzt. So beispielsweise bei den gerundeten Treppenraum­fassaden im Auslauf der Büroriegel zur Kreuznacher Straße. Ihr starrer außen liegender Sonnenschutz variiert das Thema der Pfosten/Riegelfassade ebenso wie andernorts die Pfosten­profile mit Lochblechverkleidungen bei den Parkdeckfassaden. Und auch bei den großflächigen Dachverglasungen, die für die natürliche Belichtung der Einkaufs- und Erschließungszonen sorgen, wählten die Architekten eine abwechslungsreiche Formensprache: Ein ovales und ein Pultdach – beides Stahl­konstruktionen mit Aluminium-Aufsatzelementen – leiten das Licht über großflächige Schaufensteranlagen bis in die an­grenzenden Geschäftsräume hinein. Die Dächer sind zu Reini­gungszwecken begehbar, und ihre Durchbruch hemmenden Spezialverglasungen wurden für den sommerlichen Wärme­schutz im Siebdruckverfahren mit einem Punktraster versehen.


Fruchtbare Projektkonstellation

Der Erfolg des Cannstatter Carrés ist – gerade angesichts der Überlebensschwierigkeiten vieler B-Zentren – in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Architekt Thomas Weinig, Geschäfts­führender Gesellschafter der EPA Planungsgruppe, führt die Entwicklung von der Industriebrache zum Erfolgsobjekt auf die spezifische Projektkonstellation zurück: „Die Nähe unserer Planungsgruppe zur Projektentwicklungsgesellschaft und deren Philosophie, Architektur, Städtebau sowie Nutzer und Investo­ren eng miteinander zu verknüpfen, haben sich hier einmal mehr als Erfolgsfaktoren erwiesen.“ Teil des ganzheitlichen Ansatzes sind nach seiner Aussage auch Unternehmen, die architektonische Konzepte zuverlässig in hochwertige Bau­substanz umsetzen können. Was die Fassadentechnik beim Cannstatter Carré angeht, ist der Ulmer Metallbauspezialist Karl Gauss GmbH hervorzuheben, der alle genannten Konstruk­tionsvarianten auf Grundlage der Systemangebote von Schüco International fachgerecht realisierte. 

Cannstatter Carré, Bad Cannstatt

 

Bauherr: Projektgemeinschaft Cannstatter Carré GbR, Frankfurt,

bestehend aus: ING Real Estate Development CC Retail GmbH & Co.KG, ING Real Estate Development CC Hotel GmbH & Co.KG, ING Real Estate Development CC Leisure GmbH & Co.KG

Projektentwicklung: SEPA Projekt- und Entwicklungsgesellschaft mbH, Stuttgart

Architekt: EPA Planungsgruppe GmbH Architekten + Stadtplaner, Stuttgart und Berlin

Generalunternehmer: HOCHTIEF Construction AG, Baden-Württemberg

Verarbeiter / Metallbauer (Fassaden und Dächer): Karl Gauss GmbH Aluminium und Stahlbau, Ulm

 

Systemtechnik für die Fassaden

- Pfosten-Riegel Fassade 1. - 5. OG Rundbau: Schüco FW 50+ mit Schallschutzverglasungen

- Treppenhausfassaden: Schüco FW 50+, im oberen Bereich mit starren Schüco Großlamellen ALB

- Fensterelemente innerhalb Natursteinfassaden und Wärmedämm-Verbundsystem: Raumhohe Elementfassade mit Fenstern Schüco Royal S 70.HI als Sonderkonstruktion, Sonnenschutz durch außen liegende Schüco Raffstore BEB

- Pult- und Ellipsendach (beide begehbar und siebbedruckt) zur natürlichen Belichtung der Handelszonen: Aluminium-Aufsatzelemente auf Stahlkonstruktionen; integrierte RWAs.

- Parkdeckfassaden: Pfostenprofile mit Lochblechverkleidungen

- Schaufensteranlagen: Elementfassaden mit integrierten Türanlagen bzw. Horizontal-Schiebewänden

- Fluchttürsysteme und Rauchschutztüren; T 30-Feuer­schutzabschlüsse Firestop II im Bereich der Parkhäuser

- mehrere Vordach-Konstruktionen mit punktgehaltenen VSG-Verglasungen

 

Quelle / Bilder:   Schueco International KG   30.04.2007


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