Projekt-Reportage: Lebensmittelmarkt mit besonderer Architektur
Natursteinfassade mit Gabionen prägt im besonderen Maße das Stadtbild von Mannheim
Die Umgestaltung des Alten Messplatzes in der Mitte Mannheims stellt ein wesentliches Element der neu gestalteten “Kurpfalzachse“ zum Stadtjubiläum 2007 dar. An einem städtebaulich interessanten Platz bettet sich der neue Lebensmittelmarkt durch eine moderne architektonische Gestaltung ein. Die Architektur des Gebäudes wird maßgeblich durch die mit Steinen befüllten Körbe, so genannte Gabionen, beeinflusst.
Das 7.500 Quadratmeter große Grundstück an der Mannheimer Dammstraße befindet sich im Übergang zwischen einem waldartigen Baumstreifen und dem lichten Platzbereich des südlichen Messplatzes. Auf der südlichen Seite schließen sich die etwa fünf Meter tiefer gelegenen Neckarwiesen an - nördlich begrenzen die Dammstraße und der Stadtrand das Grundstück. Die auf dem Grundstück vorgefundenen Elemente des Waldes bestimmten den architektonischen Entwurf dieses Verbrauchermarktes. Die hölzerne Dachkonstruktion ist den Baumkronen nachempfunden. Durch das umlaufende Band aus Holzlamellen, hinter denen sich Profilglas befindet, fällt natürliches Licht in den Innenraum, ohne diesen im Sommer zusätzlich aufzuheizen. Das Lamellenband strukturiert die Fassade und zeichnet die Konstruktion auf der Außenhaut nach.
Durch die Verwendung von Gabionen konnten Betonwände und Betonflächen in Natursteinwände verwandelt werden. Aufgrund der freien Auswahl des Steinmaterials erhielt das Objekt einen individuellen Charakter – ein wichtiger Entwurfsgedanke des Architekten Prof. Jörg Rügemer vom Architekturbüro AJR Atelier Prof. Jörg Rügemer aus Berlin, der mit seiner Idee den städtebaulichen Wettbewerb der Stadt Mannheim für den Bereich „Kurpfalzachse“ gewann.
Das gleichmäßige Erscheinungsbild der Gabionenfassade, die der tragenden Konstruktion und Wärmedämmung vorgehängt ist, lässt den Gebäudekörper wie selbstverständlich aus dem Boden gewachsen erscheinen und bietet für die Fassadenbegrünung einen geeigneten Untergrund. Der Natursteinfassade vorgelagert ist eine Ebene aus dünnen Drahtseilen, an der sich selbst klimmender Wein empor rankt. Durch die Drahtkorbstruktur der Gabionen sind nur wenige vertikale Drahtseile notwendig. Im Laufe der Zeit und im Rhythmus der Jahreszeiten verwandelt sich die Außenfassade und passt sich der Umgebung an.
Fenster- und Türöffnungen wurden dem Fassadenraster der Gabionenkörbe untergeordnet und weichen deshalb geringfügig von den Standardmaßen ab. Die Dachentwässerung erfolgt zwischen den vorgehängten Gabionen und der dahinter liegenden Wand, so dass der Gesamteindruck des Gebäudes nicht gestört wird. In der Zeit vom April bis August 2005 wurde der Markt in knapp fünf Monaten gebaut.
Die verbaute Fassadengabione der Firma Rothfuss aus Hemmingen wurde als leerer Drahtkorb vormontiert und mit Natursteinen aus der örtlichen Umgebung sowie nach den gestalterischen Vorgaben des Architekten befüllt. Die 110 Kilogramm schweren Körbe tragen ihre Last über die Unterkonstruktion in die Fundamente ab. Eine Infobroschüre zur Wandverkleidung mit Steinkörben kann unter Tel. 07150/9572-29 oder planermappe@rothfuss.de abgefragt werden.
Fotos: Rothfuss GmbH & Co.KG 22.11.2005
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