Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden
Die Industrie kehrt in die Stadt zurück, als sauberer, öffentlicher Showroom
Die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden ist fast fertig. VW zufolge sind im noch verhüllten Montagebereich schon über 100 Prototypen und Vorserien-Fahrzeuge des Spitzenmodells "D 1" montiert worden. Zur Vorstellung des Projektes Ende 1998 in der sächsischen Landeshauptstadt hatte Gunter Henn von den für die Planung zuständigen Henn Architekten Ingenieure den Begriff vom „Zwinger des nächsten Jahrhunderts“ geprägt.
Das etwa zwanzig Meter hohe, winkelförmige Gebäude mit einer Kantenlänge von über 140 Metern steht am Straßburger Platz unmittelbar neben dem Großen Gartens. Das L-förmige Gebäude liegt parallel zu den beiden angrenzenden Straßen, fasst ihre Kanten und ergibt zusammen mit einem mittleren Plateau ein Quadrat. Daß der attraktive Bauplatz zur Bebauung freigegeben wurde, liegt auch am modernen Konzept zur Materialbelieferung des Werks. In Friedrichstadt, einem Vorort von Dresden, wurde dafür eigens ein Logistikzentrum mit Anschluß an das Bahn- und Straßenbahnnetz eingerichtet.
Die Anlieferung erfolgt über einen großen, rückwärtigen, tiefergelegten Hof. Über lange Rampen gelangen sowohl die Mitarbeiter in eine Tiefgarage, als auch sämtliches Material von den LKWs und der Bahn in die Manufaktur. Zusätzlich gibt es dort eine Fahrzeugprüfstelle mit Waschstrasse, Tankanlage und Teststrecke, die teilweise unter dem Gelände liegen. Die Kundenzufahrt liegt an der Lennéstrasse.
Die gläserne Manufaktur ist keine Fabrik im klassischen Sinne: Ihre Hallen sind sauber und mit Parkett ausgelegt und die Monteure tragen weiße Kombis: Hier findet nur die Endmontage vorgefertigter Teile und die Übergabe der Autos statt.
Die Automontage ist durch die doppelte Glasfassade außen sichtbar. Die Fertigungshalle ist zugleich ein Showroom, der wie eine öffentliche Bühne wirkt, auf der die Produktion als permanentes Marketing-Event präsentiert wird: Arbeit zum Angucken wird zelebriert.
Der umgebende „Manufakturgarten“ wurde von den Landschaftsarchitekten Stötzer und Neher gestaltet. Das Gelände ist mit einem eigenen neuen Bahnhof an die Parkeisenbahn im Großen Garten angeschlossen.
Besucher der Gläsernen Manufaktur gelangen über drei hölzerne Rampen auf eine mit Basalt gepflasterte Terrasse, die auf zwei Seiten von einer Wasserfläche umgeben ist und von dort in die „Erlebniswelt“ mit Fahrzeugübergabe, Galerie, Laden und Restaurant. Hier beginnt auch der Rundgang durch die Montage. Das Entree bilden mehrere Sonderbaukörper in Primärfarben. Ein umgekehrter Kegelstumpf, eine Kugel und das amorphe Designlabor. Der Haupteingang befindet sich neben dem fast vierzig Meter hohen gläsernen Fahrzeugturm und einer ovalen Präsentationsfläche.
Insgesamt sechs verschiedene Gebäude, die von einem gemeinsamen Dach und Fassade eingeschlossen werden, bilden einen Kontrast zu den strengen Gebäuderiegeln der Montagehallen. Nebenan befinden sich Simulatoren, Verwaltung und die Kantine. Zum Raumprogramm gehören ferner ein Café, ein Kugelkino, Simualtoren und VIP-Lounges. Der runde, hohe Fahrzeugturm markiert im ganzen Stadtgebiet den Eingang zum Großen Garten. Das mittlere Plateau ist von Beleuchtungsstelen umgeben, die den Gebäudewinkel optisch zu einem Block ergänzen.
Um die Fertigungstrecke herum ist ein 25 Meter hoher "Setzkasten" angeordnet. Neben den Montageflächen finden in diesem „Regal“ die Türmontage und ein Karossenlager Platz. Zwei große überdachte Lichthöfe mit geschwungenen Büros unterstützen die natürliche Belichtung der Montagehalle, in der täglich 150 Luxusautos produziert werden sollen.
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